AUS DEM LEBEN DER GROßEN MENSCHEN

З книги Багринець В.М. «Збірник текстів німецькою мовою для аудіювання: Посібник для вчителів німецької мови середніх навчальних закладів»

BEETHOVEN BEI MOZART
Der weltberühmte Komponist Ludwig van Beethoven ist im Jahre 1770 in Bonn am Rhein geboren. Er war der älteste Sohn eines Musikers. Sein Vater lehrte ihn Kla­vier spielen. Schon mit acht Jahren gab der kleine Lud­wig sein erstes Konzert.
Der Knabe lernte fleißig. Er ging wie andere Kinder in die Schule, und wenn er aus der Schule nach Hause kam, spielte er noch viele Stunden Klavier. Schon mit zwölf Jahren spielte der kleine Ludwig in einem Orchester mit.
Damals lebte in Wien Wolfgang Amadeus Mozart, einer der größten Musiker aller Zeiten. Ihn wollte der junge Beethoven sehen, sein Spiel wollte er hören, sein Schüler wollte er werden. Das wünschte er sich mehr als alles andere.
Endlich sollte sich dieser Wunsch erfüllen. Als Beethoven sechzehn Jahre alt war, fuhr er nach Wien.
Da saß nun der jun­ge Komponist vor dem großen Mozart am Kla­vier und spielte ihm sei­ne eigenen Kompositio­nen vor. Als das Spiel zu Ende war, schwieg Mozart lange, denn er dachte bei sich: dieser junge Mann hat einfach ein fremdes Werk auswendig gelernt. Endlich lobte er das Spiel mit einigen kühlen Worten.
Da bat Beethoven den großen Meister um ein Thema zu einer freien Phantasie. Er bekam es und spielte wieder. Jetzt verstand Mozart, dass Beethoven wirklich seine eige­nen Kompositionen spielte. Erstaunt hörte er auf die wun­derbaren Melodien. «Dieser junge Mensch hat eine große Zukunft!» sagte er zu seinen Freunden.
Und so war es auch.

MOZARTS ERSTE KOMPOSITION


Nach Andreas Schlachter
Ein Freund der Familie Mozart erzählt folgendes:
Einmal ging ich mit Vater Mozart nach Hause. Da saß sein Sohn, der sechsjährige Wolfgang, am Tisch und schrieb fleißig.
Der Vater fragte: «Was machst du da?»
Wolfgang antwortete: «Ein Konzert für Klavier. Der erste Teil ist bald fertig.»
Der Vater: «Zeig es mir!»
Wolfgang: «Es ist doch noch nicht fertig!»
Der Vater: «Das muss ja etwas Feines sein! Zeig es doch!»
Der Vater nahm ihm das Blatt weg und zeigte es mir. Die Noten waren schmutzig geschrieben, das Papier war mit Tintenklecksen bedeckt. Wolfgang konnte noch nicht mit Feder und Tinte schreiben. Er machte viele Kleckse.
Vater Mozart sah die Noten genau an. Lange Zeit sprach er kein Wort. Tränen standen in seinen Augen. Wolfgarg schrieb ein richtiges Musikstück!
«Das Stück ist schön, aber es ist so schwer, dass es kein Mensch spielen kann», sagte Vater Mozart.
Doch Wolfgang entgegnete: «Dann muss man so lange üben, bis man es spielen kann. Dafür ist es ein Konzert.» Und er setzte sich ans Klavier und spielte. Dabei machte er zwei Fehler, aber wir konnten doch erkennen, wie sich Wolfgang das Stück vorstellte.

DIE KINDERSINFONIE VON HAYDN


Haydn kam einmal auf einen Jahrmarkt. Dort verkaufte ein Mann verschiedene musikalische Instrumente für Kinder: Pfeifen, Trompeten, Trommeln u. a. Viele Kinder kauften sich solche Instrumente und spielten darauf. Sie trillerten wie die Nachtigall, schrien wie der Kuckuck, schlugen auf die Trommeln oder bliesen die Trompeten. Diese Musik gefiel Haydn. Er kaufte viele Instrumente und ging nach Hause.
Zu Hause probierte er die Kinderinstrumente und schrieb eine Kindersinfonie.
Am anderen Tag sagte er zu seinen Orchestermusikanten: «Heute haben wir eine schwere Probe.» Dann gab er ihnen die Noten und die Instrumente, nur zwei Geigen und ein Kontrabass waren keine Kinderinstrumente. Zuerst konn­ten die Musikanten vor Lachen nicht spielen, aber dann ging es, und allen gefiel die Musik sehr gut.
Am Sonntag fuhr Haydn nach Wien zu seinen Freunden, einer Arztfamilie mit vielen Kindern. Er nahm die In­strumente und die Noten mit.
«Heute habe ich für euch etwas Besonderes mitgebracht», sagte Haydn zu den Kindern und zeigte ihnen die Pfeifen und Trommeln und die anderen Instrumente. Die Kinder freuten sich sehr. Sie trillerten wie die Nachtigall, schrien, wie der Kuckuck, trommelten und bliesen die Trompeten. Haydn übte mit ihnen fleißig, denn nicht alle Kinder waren groß und kannten die Noten. Das älteste Mädchen war vierzehn, der älteste Junge dreizehn Jahre alt. Haydn dirigierte, und die ganze Familie spielte. Die Kinder waren froh und wollten gar nicht zu Bett gehen.
Von diesem Tag an spielten sie oft die «Kindersinfonie». Sie gefiel ihnen sehr gut.

GEORG SIMON OHM


Georg Simon Ohm wurde am 16. März 1789 als Sohn eines Schlossermeisters geboren. Schon als Kind zeigte er großes Interesse für Physik.
Sein Vater war aber nicht reich, darum musste der junge Ohm früh Geld verdienen, um leben und studieren zu können. Nach der Hochschule fuhr er in die Schweiz, wurde dort Lehrer an einer Privatschule und arbeitete unermüdlich an seiner Dissertation. Später wurde er Privatdozent an einer Universität. Er forschte und experimentierte auf dem Gebiet der Elektrotechnik, deshalb brauchte er viel Geld, da er in der Universität als Privatdozent nicht verdienen konnte.
Er kehrte in die Schule zurück, weil er hier mehr verdiente. Vier Jahre war er als Lehrer der Physik und Mathematik an einer Realschule und 10 Jahre am Gymnasium in Köln tätig. Viele Jahre lang erforschte er die Gesetze der Elektrizität. Im Jahre 1827 hat er seine Gesetze entdeckt und formuliert. Ohm wusste sehr gut, was die von ihm entdeckten Gesetze für die Elektrotechnik bedeuteten, aber er war sehr arm und hatte keine Möglichkeit, seine Arbeiten zu veröffentlichen. Und als er sie doch veröffentlicht hatte, stellte er fest, dass man die Bedeutung seiner Gesetze nicht verstand. Lange Zeit blieb sein Name unbekannt. Er hoffte an der Berliner Universität zu arbeiten, aber umsont. Fünf Jahre lang war er wieder an einer Schule als Mathematiklehrer tätig.
Erst am Ende seines Lebens wurde er zum Professor an der Münchener Universität. Es war aber schon zu spät. Der Mann, der die wichtigsten Gesetze der Elektrotechnik entdeckt hatte, lebte in größter Not. Ohm starb im Jahre 1854.

AUS SCHILLERS JUGEND


An einem herrlichen Maisonntag des Jahres 1779 zogen einige junge Leute durch die Wälder in der Nähe der Stadt Stuttgart. Sie trugen blaue Röcke, weiße Hosen, hohe schwar­ze Stiefel und schwarze Hüte. An dieser Uniform konnte man erkennen, dass es Schüler der Militärschule des Herzogs von Württemberg waren. Sie machten einen Spaziergang. Voran ging ein Offizier, hinter ihm marschierten in strenger Ordnung die Schüler.
Der Weg führte durch einen dichten Wald. Da blieben die sechs letzten Schüler etwas zurück. Jetzt gab einer von ihnen seinen Kameraden heimlich ein Zeichen, und die sechs verschwanden hinter den Bäumen. Sie liefen schnell durch den Wald zu einer Gruppe hoher Fichten.
Und jetzt stellt sich einer von den sechs Schülern neben einen mächtigen alten Fichtenbaum, er nimmt ein Heft aus der Tasche und beginnt zu lesen. Es ist ein blonder jun­ger Mann mit hoher Stirn und offenen Augen. Es ist der junge Friedrich Schiller.
Er liest seinen Freunden Szenen aus seinem ersten Drama «Die Räuber» vor. Heimlich, in langen Nächten hat er es geschrieben. Die Freunde lagern sich um Schiller und hören begeistert zu. Zum erstenmal hören sie, daß ein deutscher Dichter so mutig zum Kampf gegen die Despoten aufruft. Und wie wunderbar, wie gewaltig ist seine Sprache! Jetzt verstehen sie, dass ihr Freund ein wahrer Volksdichter ist.
Drei Jahre vergingen. Im Jahre 1782 führte das Mann­heimer Theater «Die Räuber» auf. In den Herzen der deutschen Jugend erwachte der Freiheitsgedanke. Schiller wurde berühmt.

BESUCHER IN WEIMAR


Zu den vielen Besuchern Goethes zählte auch die berühmteste Frau der damaligen Zeit, die französische Schriftstellerin Germaine de Stael. (Sie schrieb später ein Buch über Deutschland, De Allemagne, das ihr Feind Napoleon vernichten ließ. Es war ihm zu deutsch-freundlich).
Über ihre Unterhaltung mit Goethe gibt es eine hübsche Anekdote.
«Es war eine interessante Stunde», soll Goethe gesagt haben, «ich bin nicht zu Wort gekommen. Sie spricht ja gut, aber viel, sehr viel».
Frau von Stael hatte das anders in Erinnerung. «Ich bin zwar nicht zu Wort gekommen», sagte sie später, «aber das tut nichts, denn wenn einer so gut spricht wie er, dann hört man gerne zu».
An einen anderen Besucher dachte Goethe noch lange zurück. 1763 hatte er in Frankfurt den siebenjährigen Mozart gesehen, der ein Konzert gab. Jetzt besuchte ihn ein Wunderkind, das mit Mozart verglichen wurde: Felix Mendelssohn Bartholdy, zwölf Jahre alt, kam in Begleitung seines Lehrers Karl Friedrich Zelter nach Weimar. Felix musste die schwierigsten Stücke spielen. Goethe hörte zu, und dann sagte er: «Bis jetzt hast du nur Stücke gespielt, die du kanntest. Jetzt wollen wir einmal hören, ob du auch etwas spielen kannst, was du nicht kennst. Ich werde etwas holen und dich auf die Probe stellen».
Goethe kam zurück mit einer Originalhandschrift von Mozart. Mendelssohn spielte das Stück vom Blatt, und Goethe lachte. Mozarts Manuskripte seien ja sauber geschrieben, meinte er. Und dann legte er Felix ein Blatt hin, das verwischt war und Tintenkleckse hatte. Die Noten waren kaum zu erkennen, vieles war durchgestrichen, man sah nicht, wo der Anfang und wo das Ende war. Zelter trat aus Klavier und rief: «Das hat ja Beethoven geschrieben!» Seine Vermutung stimmte. Es war ein Lied von Beethoven. Felix spielte es. Von dem Tage an galt er in Weimar als Meister auf dem Klavier und wurde überall eingeladen, Konzerte zu geben.

DAS  AUTOGRAMM


Ein reicher Handschriftensammler schrieb an den bekannten deutschen Maler Max Lieberrnann und bat ihn, ein paar Worte für seine Sammlung aufzuschreiben. Der Sammler erhielt folgenden Brief:
«Sehr geehrter Herr!
Herr Liebermann hat auf jedes seiner Bilder und Zeichnungen seinen Namen geschrieben. Autogramme gibt er sonst nie.
Erwin Schulze, Sekretär.»
Einige Tage später traf Liebermann diesen Sammler auf einem Festbankett und fragte ihn: «Sind Sie mir böse meines Briefes wegen?»
«Eigentlich», antwortete der Mann, «war ich nur für einen Augenblick böse. Natürlich habe ich den Brief sofort ins Feuer geworfen.»
«Schade um den schönen Brief», meinte der Maler lächelnd, «ich habe ihn nämlich eigenhändig geschrieben, weil ich doch gar keinen Sekretär habe.»

GOETHES MINERALOGIE


Als Goethe den Sommer 1789 in einem damals beliebten Kur­ort verbrachte, schlug er einmal an einem trüben Tag seinem Reisebegleiter von Stein vor, einen Ausflug ins Gebirge zu ma­chen. Vergebens warnte Stein vor einem nahenden Gewitter. Der Dichter setzte seinen Wunsch durch, und sie gingen.
Goethe suchte unterwegs eifrig Steine, die er mit dem Ham­mer zerschlug, und nannte seinem Begleiter die Namen und Eigenschaften dieser Steine und die Klasse, der sie angehörten.
Als die Freunde schon ziemlich weit gegangen waren, fing es plötzlich an zu regnen, und Stein wurde zornig: «Sagte ich nicht, dass es regnen wird? Was gehen mich Ihre dummen Steine an?»
Goethe antwortete kein Wort, so dass Stein nach einiger Zeit selbst wieder begann: «Wenn Sie ein so großer Mineraloge sind, so sagen Sie mir wenigstens, was für ein Stein ich bin?»
«Nichts einfacheres als das», erwiderte Goethe. «Sie gehören zur Klasse der Kalksteine. Kommt Wasser auf Sie, so brausen Sie auf!»

DREIMAL  IST ZUVIEL


Der englische Schauspieler Henry Irving liebte es, in großer Gesellschaft lustige Geschichten aus seinem Bühnenleben zu erzählen. Als einmal Mark Twain anwesend war, fragte er diesen nach den ersten Sätzen: «Kennen Sie die Geschichte noch nicht?»
Der Humorist verneinte, und Irving setzte seine Erzählung fort.
Aber plötzlich unterbrach er sie und fragte wieder: «Kennen Sie die Geschichte also wirklich noch nicht?»
Und wieder antwortete Mark Twain: «Aber nein, ich habe sie noch nie gehört!»
«Also gut, dann erzähle ich weiter.»
Als er aber kurz vor dem Hauptmoment noch einmal zweifelnd fragte, sagte Mark Twain: «Lieber Irving, zweimal kann ich aus Höflichkeit lügen, aber dreimal, das wäre schon zuviel. Diese Geschichte habe ich vor drei Jahren selber geschrieben!»

NUR FÜR DEN TODESFALL


Die beiden Schriftsteller Max Halbe und Frank Wedekind waren wieder einmal bitter verfeindet. Da erkrankte Halbe plötzlich, und man flüsterte schon, dass es mit ihm zu Ende ginge. Da entschloss sich Wedekind, dem armen Todeskandidaten einen warmherzigen Brief zu schreiben.
Wider allem Erwarten überstand aber Halbe seine Krankheit, und als er nach einigen Wochen im Cafe erschien, eilte er mit strahlender Miene auf Frank zu, um sich bei ihm für seine freundlichen Worte und guten Wünsche zu bedanken. Dieser setzte jedoch ein eisiges Gesicht auf und strafte ihn mit Verachtung.
«Nany, Frank, ich dachte, wir hätten uns wieder versöhnt», meinte Max, «wo du mir doch so gut geschrieben hast?»
«Irrtum, mein Lieber!» entgegnete Wedekind. «Das galt nur für den Todesfall!»

Erich Maria Remarque


Haben Sie schon einmal ein Buch von Remarque (lies: remark) gelesen? Wissen Sie etwas über diesen Schriftstel­ler? — Wenn nicht, dann hören Sie zu.
Der bekannte deutsche Schriftsteller ist 1898 in Osnabrück geboren. Von der Schulbank weg musste er als Soldat in den ersten Weltkrieg ziehen. 1918 kehrte er in die Heimat zurück und arbeitete zuerst als Volksschullehrer in einem Dorf. Später wurde er in Berlin Redakteur einer illus­trierten Sportzeitung.
Sein erstes bedeutendes Werk war der Antikriegsroman «Im Westen nichts Neues» (1928), der gleich in viele Sprachen über­setzt wurde und den Verfasser berühmt machte. Weitere bekann­te Romane von Remarque sind «Der Weg zurück» (1931), «Drei Kameraden» (1938), «Zeit zu leben und Zeit zu sterben» (1954) u. a. Sein Drama «Die letzte Station» (1956) wird auch auf unseren ukrainischen Bühnen mit Erfolg gespielt.
1932, als die Faschisten in Deutschland die Macht an sich reißen wollten, musste Remarque emigrieren. Seit dem Jahre 1954 bis zu seinem Tode (1970) lebte er in der Schweiz.
Manches in den Werken von Remarque ist uns fremd. Viele von seinen Helden fühlen, dass das Leben in der bürgerlichen Gesellschaft sie nicht befriedigen (задовольнити) kann. Trotz­dem kämpfen sie nicht für ein anderes Leben. Sie haben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verloren und führen ein Dasein (існування) ohne bestimmtes Ziel. Deshalb sind Remarques Romane oft pessimistisch. Aber seine Idee der Kame­radschaft und seine antimilitaristischen Anschauungen (погляди) machen ihn zu einem progressiven Schriftsteller, der überall gern gelesen wird.

Das war doch der Teufel


Johann Sebastian Bach interessierte sich für die Volksmusik, insbesondere für die Orgelmusik, die gewöhnlich die Predigt in den Dorfkirchen begleitete. Während er aus einem Dorf ins andere wanderte, um sich diese Orgelmusik anzuhören, erlebte er einige spaßige Geschichten. Als er an einem Sonntag in ein sächsisches Dorf kam, hörte er plötzlich Orgelklang aus der Dorfkirche. Er trat ein. Die Predigt war zu Ende. Der Schlussgesang des Chors wurde vom Dorfkantor in recht kläglicher Weise auf der Orgel begleitet. Nachdem Bach geduldig bis zum Schluss den Gesang gehört hatte, bat er um Erlaubnis, das Instrument zu versuchen. Der Dorfkantor gestattete es, und Bach setzte sich an die Orgel. Er begann eines seiner herrlichen Präludien zu spielen. Während er spielte, standen die Dörfler mit offenem Munde dabei. Als der Fremde gar Doppelfugen und Tokkaten zu spielen begann, konnte auch der Kantor seine Überraschung nicht verbergen. Man blieb in der Kirche, bis die schöne Musik nicht verstummte. Da bestürmte man den Kantor mit den Fragen, wer so herrlich gespielt hat. Dieser zuckte die Achseln und sagte: «Entweder der große Bach aus Leipzig oder der Teufel!» Während sich die Dörfler aufgeregt unterhielten, verließ Bach unbemerkt die Kirche. Als die Dörfler keine Spur von dem Spieler mehr fanden, sagten sie sich: «Wahrscheinlich war es doch der Teufel!»

Kämpfer gegen den Tod


Louis war damals sieben Jahre alt. Eines Tages ging er einen schmalen staubigen Pfad entlang. Ringsum war es still. Plötzlich erschallte ein lauter Schrei. Er kam aus der Schmiede.
Neugierig näherte sich der Junge dem Gebäude und guckte durch einen Spalt. Er erblickte den bärtigen Schmied. Ihm gegenüber stand ein unbekannter Mann ohne Hemd. Seine Brust war mit Brandwunden bedeckt.
Der Schmied hielt eine glühende Eisenstange in den Händen. Er näherte sich dem Mann, und dann...
Hals über Kopf rannte Louis davon.
«Den Mann hatte ein Wolf gebissen», erklärte ihm Vater zu Hause. «Als man den Wolf fing, fand man in seinem Magen Stroh, Steine, Fetzen. Nur ein tollwütiges Tier schluckt alles, was ihm in den Weg kommt.»
«Ja, aber der Schmied?» unterbrach ihn Louis.
«Wen ein tollwütiges Tier beißt, der muß sterben», fuhr Vater fort. «Nur wenn man die Wunde ausbrennt, kann er gerettet werden, aber auch das hilft nur selten.»
Seit jenem Tage träumte der kleine Louis Pasteur davon, ein gelehrter Mann zu werden, der alle Krankheiten heilen kann.
Der Biss eines tollwütigen Tieres ist tödlich. Etwa einen Monat lang fühlt der Gebissene keine Beschwerden; manchmal vergißt er sogar, dass er gebissen wurde. Dann sber verspürt er im ganzen Körper Brennen. Fürchterlicher Durst quält ihn, aber sogar der Gedanke an Wasser verursacht Krämpfe. Nach einigen Tagen tritt der qualvolle Tod ein.
Früher überließ man die Kranken ihrem Schicksal, fürchtete sich vor ihnen und ging ihnen aus dem Wege. Oft wurden sie getötet, damit sie keinen weiteren Schaden anrichteten. Und kein einziger blieb am Leben...
Pasteur erfuhr, dass Krankheiten durch winzige, dem unbewaffneten Auge unsichtbare Lebewesen hervorgerufen werden. Wie sollte er aber den Erreger der Tollwut finden?
Lange untersuchte er unter dem Mikroskop den Speichel tollwütiger Hunde. Außer einem weißlichen verschwommenen Fleck konnte er nichts entdecken.
Der Gelehrte rief sich ins Gedächtnis, wie sich an Tollwut erkrankte Menschen auffuhren. Sie finden keine Ruhe, ihre Pupillen sind erweitert, furchtbare Erscheinungen bedrücken sie. War das nicht eine Erkrankung der Nerven?
Pasteur untersuchte das Hirn kranker Hunde. Gesunde Hunde konnten damit angesteckt werden und wurden am sechsten Tag tollwütig.
Nun überlegte Pasteur, wie er die schreckliche Krankheit heilen könnte. Lange blieben alle seine Bemühungen ergebnislos. Wie so oft, half ein Zufall.
Der Gelehrte fand in seinem Labor Flaschen, in denen er vor längerer Zeit infiziertes Rückenmark von Kaninchen aufbewahrt hatte.
Er versuchte, damit Hunde anzustecken, aber das gelang ihm nicht. Die Erreger waren geschwächt. Wenn man sie in den Organismus eines gesunden Tieres einführte, wurde es gegen die Tollwut unempfänglich.
Die Vakzine gegen die Tollwut war gefunden. Sogar von einem tollwütigen Tier gebissene Menschen konnten mit Hilfe des abgeschwächten Giftes gerettet werden.

DER KAMPF UM TROJA


Heinrich Schliemann, der berühmte Archäologe, wurde 1822 in Neubukow (Mecklenburg) geboren. Schon als ganz kleiner Junge hörte er mit größtem Interesse zu, wenn sein Vater ihm und seinen Kameraden Märchen und Sa­gen erzählte. Einmal schenkte ihm der Vater das Buch «Weltgeschichte für Kinder». Dort las Heinrich die Sage vom Kampf der Trojaner und der Griechen, die ihm sehr gefiel.
* * *
Der schöne Jüngling Paris, Sohn des Königs Priamos1, fuhr mit zwölf Schiffen nach Griechenland. Auf sei­ner Reise kam er auch in die Stadt Sparta, um den König Menelaos zu besuchen. Helena, die Frau des Königs, war die schönste aller Frauen. Paris raubte2 die schöne Helena und brachte sie über das Meer in seine Heimat­stadt Troja.
König Menelaos rief alle seine Helden zusammen; sie sollten mit ihm nach Troja fahren, um die schöne Helena zu befreien. Die berühmtesten Helden aus allen Teilen Griechenlands fuhren mit ihm nach Troja. Die griechische Flotte kam glücklich zu den Ufern des Hellespont. Noch nie hatte die Welt so viele Schiffe und so viele Helden ge­sehen.
Die Griechen dachten, dass sie bald als Sieger in ihre Heimat zurückkehren werden, aber sie irrten sich3. Der Krieg dauerte zehn Jahre. Viele tapfere Helden fanden in diesem Krieg den Tod. Und doch gelang es keinem ein­zigen Griechen, in die Stadt einzudringen4.
Eines Tages versammelten sich im griechischen Lager alle Helden und besprachen, was sie weiter tun sollten. Da sagte der kluge Odysseus: «Es ist klar, dass die Troja­ner uns nicht in die Stadt lassen5. Wollen wir ein großes Pferd aus Holz6 bauen! Unsere tapfersten Helden sollen sich in dem Pferd verbergen7. Wir bringen das Pferd vor das Stadttor und lassen es da stehen. Dann fahren wir mit unseren Schiffen weit ins Meer hinaus. Die Trojaner werden denken, dass wir in unsere Heimat zurückkehren. Sie werden aus der Stadt herauskommen, um das große Pferd anzusehen.»
Am Abend sahen die Trojaner, wie alle Schiffe der Griechen das Ufer verließen und ins Meer hinausfuhren. Vor dem Stadttor blieb nur ein großes Pferd aus Holz zu­rück. Die Trojaner öffneten das Stadttor und zogen das Pferd in die Stadt hinein. Aber in der Nacht, als in Troja alle schliefen, stiegen die Helden aus dem Pferde heraus und öffneten die Tore der Stadt. Während dieser Zeit waren die Griechen mit ihren Schiffen zurückgekehrt. Sie drangen in die Stadt ein und überfielen8 die Trojaner. Es kam zu einem großen Kampf; die Griechen töteten die meisten trojanischen Helden.
Auch König Priamos und seine Söhne fanden in diesem Kampf ihren Tod. Die Sieger zerstörten Troja. König Menelaos, die schöne Helena, Odysseus und viele andere Helden kehrten nach Griechenland zurück.

Texterläuterungen
1. König Priamos  Пріам, легендарний цар Трої
König Menelaos  Менелай, легендарний цар Спарти
2. rauben  викрасти
3. sich irren  помилятися
4. ... gelang es, ... einzudringen  вдалося проникнути (пройти)
5. lassen  тут: впустити; (stehen) lassen залишити (стояти)
6. aus Holz  із дерева
7. sich verbergen  сховатися
8. drangen ... ein und überfielen  вторглися ...і напали на ...